Was, wenn Menschsein kein Zustand ist, sondern ein Verb? „Nicht alle Reisenden folgen Wegen“, schreibt Conceição Evaristo. Dieser Zeile entlehnt Bonaventure Soh Bejeng Ndikung den Titel der 36. Bienal de São Paulo und schlägt vor, Menschsein als Praxis, als ein Tun, nicht als Besitzstand zu denken. Die versammelten Stimmen nähern sich dem aus verschiedenen Richtungen: Für Juliana Borges etwa ist das Wandern und Sich-Verlieren eine Technologie des Abweichens; und Abdellatif Laâbis Gedicht „Ich bekunde“ betrachtet Menschlichkeit als ethische Praxis, die jeden Tag aufs Neue gelebt wird. Er fragt: „Was werde ich heute tun, um der Menschlichkeit würdig zu bleiben?“ – nah am Leitgedanken der Biennale von Menschlichkeit, die durch unser tägliches Handeln immer wieder neu bekräftigt wird. Creuza Krahô wiederum, die der Indigenen Krahô Gemeinschaft Brasiliens angehört, beharrt auf deren Recht "als Menschen in dieser Welt zu leben". Zwischen Poesie, Interview und Essays entsteht ein Klangraum, in dem Zuhören wichtiger wird als Betrachtung und Erfassen.
Hkw
Nicht alle Reisenden folgen Wegen
Nicht alle Reisenden folgen Wegen
Nicht alle Reisenden folgen Wegen — Reader DE
Mit Beiträgen von Abdellatif Laâbi, Abena P. A. Busia, Alya Sebti, Anna Roberta Goetz, Bonaventure Soh Bejeng Ndikung, Conceição Evaristo, Creuza Krahô, Edimilson de Almeida Pereira, Etel Adnan, Hervé Yamguen, Jacques Attali, Jean Casimir, Joshua Chambers-Letson, Juliana Borges, Keyna Eleison, Kim Cheng Boey, Linh Nga Niê Kdam, Márcia Wayna Kambeba, Nam Le, Naminata Diabate, Panashe Chigumadzi, Rodney Saint-Éloi, Thiago de Paula Souza, Tsitsi Jaji, Yásnaya Elena Aguilar Gil
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